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Wandern und Bergsteigen – einst und heute
 

Dass der Mensch in früheren Zeiten die Berge gemieden und als Sitz der Götter und Dämonen gefürchtet habe, ist nicht in dem Maße richtig, wie es gelegentlich geschildert wird. Wenn frühgeschichtliche Berichte die Berge in den schauerlichsten Bildern schildern, so stammen diese meist von bergfernen Flachlandbewohnern, die nicht jene Beziehung zum Berg haben konnten wie die Einheimischen.

Wie aber das Netz der früheren alpinen Begehungen und Besteigungen tatsächlich ausgesehen hat, wissen wir nicht. Es darf mit Sicherheit angenommen werden, dass viele Berggipfel von Bauern und Jägern bereits lange vor jenen Tagen bestiegen wurden, die wir heute als Datum der belegten Erstbesteigung in den Chroniken führen.
Die ersten Fremden kamen um die Wende 18. zum 19. Jahrhundert ins Zillertal und versuchten sich an einigen der auffallendsten Gipfel. Allerdings war das noch kein Bergsteigen im heutigen Sinn. Bestimmt hat der eine oder andere nur aus purer Freude einen Gipfel bestiegen um von dort oben den Sonnenaufgang er erleben oder die Aussicht zu genießen. Das Bergsteigen als „Tourismus“ wurde aber erst einige Jahrzehnte später eingeleitet.
Es gelingt unermüdlichen Gipfelstürmern – allerdings auch unterstützt von den Landesvermessern, die ihnen so manchen schönen Gipfel wegschnappen – in den Jahren von 1850 etwa bis um die Jahrhundertwende nahezu sämtliche Gipfel der Alpen zu besteigen. Gipfel um Gipfel werden in das Register der erfolgten Erstbesteigungen eingetragen.
Später werden alpine Vereinigungen gegründet, welche versuchen das Gebirge durch Weganlagen und Schutzhütten einladender zu machen.

Wer heute wandert oder auf den Berg steigt tut das im Allgemeinen aus rein persönlichen Motiven, aus Naturliebe, zur Erholung, als Ausgleich zum Alltag, wegen der guten Höhenluft oder was immer sonst es sein mag.
Die Zillertaler Alpen bieten verschiedene Möglichkeiten. Der gemütliche Wanderer findet hier alles was seinen Erwartungen entspricht: gute, gefahrlos zu begehende Höhenzüge oder leicht zu besteigende, nicht zu hohe Gipfel. Hier kann er nicht nur stunden-, sondern auch tagelang wandern, ohne ernstlichen Schwierigkeiten oder Gefahren zu begegnen. Es sind dies eine Reihe von Touren, die von Hütte zu Hütte führen und großartige Nahbilder dieser Hochgebirgswelt bieten. Viele Seilbahnen oder Sessellifte ersparen dem Wanderer oft sogar den Aufstieg vom Tal bis hinauf zur Almregion.

Auch für den anspruchsvolleren Bergsteiger gibt es viele Gipfel und Anstiege. Gerade die Zilltertaler Berge die immerhin mehrere Dreitausender und eine ganze Reihe kühn geformter Felsgipfel besitzen , bieten so manche Tourenmöglichkeit, die nur dem gehtüchtigen und trittsicheren Bergsteiger vorbehalten bleibt.
Mit dem seinerzeitigen Hüttenbau ging auch die Errichtung zahlreicher Weganlagen Hand in Hand, die nicht nur zu den einzelnen Schutzhütten führten, sondern auch diese untereinander verbanden oder sogar den einen oder anderen Gipfel leichter erreichbar machten.
Was in der letzten Zeit so groß in Mode gekommen ist und buchstäblich zu einer neuen Art des Bergsteigens geführt hat, sind die Klettersteige. Hier in unseren Zillertalern sind sie niemals Selbstzweck, sondern stets nur als Erleichterung einer vielbegangenen heiklen Wegstrecke gedacht.

Bei den meisten Tourenbeschreibungen wird nur ein Weg vorgeschlagen. Auf die Andeutung von Varianten, insbesondere von verschiedenen Abstiegsmöglichkeiten, wird bewusst verzichtet um vor Irrwegen und der dadurch erhöhter Unfallgefahr zu bewahren, sie ersetzten in der Regel nicht die Wanderkarten.

Wichtig ist auch noch die Wanderbekleidung, dazu gehören Bergschuhe, Hosen beliebiger Art, ein leichter Pullover und Regenschutz. Zur Bergbekleidung dagegen gehören schon feste Bergschuhe, wärmere Hosen, dickerer Pullover und Anorak, eventuell auch Handschuhe und Mütze.

Wenn man sich Zeit nimmt zum Wandern, die Ruhe in den Bergen geniest, zu den Almhütten hinaufsteigt, auf Höhenwegen den Anblick gleißender Gletscher oder blühender Hochalmen genießt, oder aber einen der zahllosen Gipfel erklimmt, das Gehen und geruhsame Schauen nicht verlernt hat - was gibt es Schöneres.

Wer kann schon sagen, warum Menschen wie Gemsen auf Berge klettern, wo es in den Tälern meist ganz gemütlich ist!

Ein Alpinist hat einmal die umwerfende Antwort gegeben:
Man steigt auf die Berge weil sie halt da sind…

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